Totaler Datenverlust – TEIL II

 

Ausgangspunkt *

Der einzig sichere Weg, seine Daten auch in dem im letzten Teil geschilderten Szenario zu schützen, kann nur dadurch erfolgen, dass man die Daten an einem anderen Ort lagert. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Daten an diesen Ort zu bekommen. Es kann z.B. durchaus sinnvoll sein, regelmäßig einen Datenträger mit wichtigen Daten in einem Schließfach unterzubringen. Fall wichtige Daten in kurzen Zeitabständen und/oder in großer Menge an, bedeutet dies jedoch sehr hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand.

Im Zeitalter schneller Datenleitungen drängt sich eine andere Möglichkeit in unser Blickfeld. Speicher im Internet ist relativ günstig, das Problem der Datensicherung haben nicht nur wir, sondern viele. Klar, dass inzwischen Firmen auf die Idee gekommen sind und versuchen, erste Anwendungen anzubieten, die dem Anwender Speicherplatz im Internet bequem zugänglich machen.  Leider ist das so, wie mit allen “ersten Anwendungen”, sie sind oft unausgereift, instabil und wenig anwenderfreundlich.  Beim Einrichten einer solchen Online-Festplatte kam ich, trotz meiner bescheidenen Erfahrungen im Computerumfeld, fast nicht mehr weiter. Nachdem einiges an Handarbeit erledigt war, um OpenVPN einzurichten und die Online Festplatte via SMB/CIFS anzusprechen (Basis der Verbindung von Ihrem Rechner zur Online-Festplatte; Tunnel ähnlich wie bei ArchiCrypt Stealth VPN), wurde ich aufgefordert, mit Hilfe einer altmodischen Anwendung, einen Loginnamen und ein Passwort für meine neue Online-Platte einzurichten. Nach ca. 20 Minuten war die Einrichtung erledigt. Der Versuch, mit diesen Daten die Online-Platte zu öffnen, scheiterte jedoch.

Ich kann schwer abschätzen, ob es mehr Glück oder mehr die Erfahrung war, die mir eingab, es doch einmal mit einem Loginnamen zu versuchen, der keine Großbuchstaben enthält. Statt dem von mir gewählten Namen “MyBackup”, versuchte ich es mit “mybackup”. Unixsysteme nehmen es bei Dateinamen, Verzeichnissen usw. sehr genau und legen auf Groß-/Kleinschreibung wert. Der Programmierer hatte in seiner unendlichen Weisheit den von mir eingegebenen Namen in Kleinbuchstaben umgewandelt, später jedoch vergessen, diese Umwandlung auch beim Anmelden vorzunehmen.

Anmerkung: Inzwischen weist der Anbieter der Lösung an allen möglichen Stellen darauf hin, dass man den Loginnamen in Kleinbuchstaben angeben soll.

OK, die Verbindung war hergestellt und tatsächlich hatte ich ein zusätzliches Laufwerk, auf dass ich aus Windows heraus zugreifen konnte.

Praxistest Geschwindigkeit *

Damit man ein solches Online-Laufwerk in der Praxis auch wirklich nutzt, braucht man eine Übertragungsgeschwindigkeit, die der verarbeiteten Datenmenge Rechnung trägt . Die Geschwindigkeit ist im Wesentlichen durch zwei Faktoren bestimmt. Zum einen ist Ihre Anbindung an das Internet maßgebend (welche Up-/Downloadgeschwindigkeit ermöglicht Ihr Anbieter) und die Anbindung des/der Rechner, auf denen die Daten abgelegt werden. Natürlich ist auch der Weg, den die Daten im Internet nehmen am Ergebnis beteiligt. Wenn man nicht Gigabyteweise Daten übertragen muss, kann man bereits mit einer DSL 6000 Anbindung respektable Ergebnisse erwarten. Das Problem besteht in unseren Erwartungen und Erfahrungen in der Arbeit mit dem heimischen PC. Auch mit einer 16000 Anbindung ist die Arbeit mit einem solchen Laufwerk subjektiv träge und zäh.

Sicherheit *

Die Hersteller werben vollmundig und das oft mit TÜV geprüfter Sicherheit. Der Einsatz von OpenVPN sichert auch in der Tat die Daten auf Ihrem Weg vom Rechner im Internet von und zu Ihrem Rechner ab. Daten werden verschlüsselt übertragen. Prima, dann kann man diesen Punkt abhaken? Weit gefehlt! Wer sitzt am anderen Ende, wie sind die Daten dort abgelegt, wer hat Zugriff, wie sind die Daten gegen unbefugten Zugriff von außen abgesichert? Hier sieht es nicht ganz so gut aus. Ich persönlich würde ohne zusätzliche Maßnahmen niemals vertrauliche Daten auf einer solchen Online-Festplatte ablegen. Der Sicherheit der Daten auf ihrem Weg, der mit OpenVPN abgesichert ist, glaube ich hingegen.

Möglichkeiten zur Absicherung *

ArchiCrypt Live NET ist mir in diesem Zusammenhang sehr sympathisch. Schließlich wird hier niemals Klartext übertragen, auch das Passwort zum Öffnen einer s.g. ArchiCrypt Live Festplatte verlässt niemals Ihren Rechner. Daten werden verschlüsselt über das Netzwerk übertragen und ausschließlich bei Bedarf im Hauptspeicher Ihres Rechners entschlüsselt.

Im ersten Schritt versuchte ich, ein s.g. Live Laufwerk auf meiner Online-Festplatte zu erstellen. Leider scheiterte dieser Versuch. Die Quelle für dieses Scheitern ließ sich leider nicht feststellen. Ich erstellte mir jetzt lokal auf einer angeschlossenen USB-Festplatte (hätte auch auf einer normalen Festplatte sein können) ein ArchiCrypt Live Laufwerk und kopierte einige Daten darauf. Die Laufwerksdatei übertrug ich jetzt auf die Online-Festplatte.

Spannung pur beim Versuch, dass Live Laufwerk mit Hilfe des Passwortes von der Online-Festplatte zu laden…

Siehe da, das Laden funktionierte tadellos. Auch der Zugriff auf die Daten war völlig problemlos. Dateien konnten bearbeitet, erstellt, gelöscht, kopiert werden. Kein Unterschied zur normalen Festplatte, außer der Geschwindigkeit, die hier in keiner Weise durch ArchiCrypt Live, sondern ausschließlich durch die weiter oben genannten Faktoren bedingt ist.

Fazit *

Wer etwas Sachverstand und Geduld mitbringt, kann mit einer Online-Festplatte durchaus sensible Daten so verwalten, dass der Zugriff ausschließlich autorisierten Personen möglich ist. Alleine mit den Mitteln der Anbieter ist dies leider nicht der Fall.

Insgesamt stellen vorhandene Lösungen Anwender mit wenig technischem Wissen nicht zufrieden. Wer denkt, er könne ein Programm starten und nach Eingabe eines Passwortes bequem seine Online-Festplatte nutzen, wird zur Zeit enttäuscht.

Wer jetzt erwartet, dass ich hier ein neues Produkt vorstelle, liegt leider falsch. Allerdings machen mich solch unbefriedigende Lösungen immer etwas “nervös” und animieren mich zumindest zum Nachdenken… 😉

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