Keine Wohnung dank Facebook

Wer bei Facebook die falschen Freunde hat, könnte künftig Probleme bekommen, wenn es um das Anmieten einer Wohnung, den Kauf eines Autos oder den neuen Handyvertrag geht. So zumindest der Gedanke der Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung), die Informationen aus sozialen Netzwerken wie Facebook nutzen möchte, um unsere Kreditwürdigkeit zu bewerten.

Keiner kommt im Alltag an der Schufa vorbei. Bei Verträgen, in denen es um Finanzielles geht, gibt es immer auch eine Schufa Klausel. Man gibt dem Vertragspartner damit das Einverständnis, dass dieser bei der Schufa unsere Kreditwürdigkeit überprüft. Die Schufa übermittelt dann dem Anfragenden einen s.g. Score, der angibt, wie wahrscheinlich es ist, dass wir den Kredit nicht bezahlen können. Je höher unser Score, desto eher bekommen wir von einer Bank einen Kredit, von einem Telekommunikationsunternehmen einen Handyvertrag oder von einem Vermieter eine Wohnung.

Welchen Score habe ich? *

Eines vorab: Es gibt „leider“ nicht den Score und auch nicht die Scoretabelle. Die Werte werden spezifisch für einzelne Branchen berechnet und zusammengestellt.

Ein Score in der Score-Tabelle für Banken im Bereich von 0 bis 76 ist miserabel. Circa ein Prozent der Bevölkerung hat diesen niedrigsten Score Wert. Umgekehrt kann sich glücklich schätzen, wer einen Wert zwischen 663 und 1000 besitzt. Die Ausfallwahrscheinlichkeit für die Kredit-gebende Bank liegt bei niedrigen 1,38%. Immerhin besitzen angeblich 20% der Bevölkerung einen solchen Score Wert.

Den Wert, den wir selbst bei der Schufa erfragen können, nennt man Basisscore. Wie Sie sich selbst einordnen können, können Sie der folgenden Basisscore Tabelle entnehmen:

Ihr Basisscore Risiko für Kreditgeber/Vertragspartner

> 97,5%

Sehr niedriges Risiko
95% – 97,5% Überschaubares Risiko
90% – 95% Befriedigendes bis leicht erhöhtes Risiko
80% – 90% Signifikant erhöhtes bis hohes Risiko
50% – 80% Sehr hohes Risiko
< 50% Sehr kritisches Risiko

 

Wie wird ein solcher Schufa Score ermittelt? *

Die folgenden Punkte fließen mit unbekannter Gewichtung in den Scorewert ein:

  • Kredite im vergangenen Jahr
  • Zahlungsstörungen wie zum Beispiel das Nichtbegleichen von Kreditraten, Nichteinhalten von Handyverträgen oder Nichtzahlen von Miete
  • Anzahl von Krediten
  • Dauer von bisherigen Bank- und Geschäftsbeziehungen
  • Anschrift (in welchem Umfeld wohnt die Person)

Kritisch in diesem Bereich ist mindestens der Punkt „Anschrift„. Hier geht es darum, in welchem Umfeld man selbst wohnt. Wer im falschen Ortsteil wohnt, muss deshalb Abstriche an seinem Score machen. Die Schufa gibt an, dass man diese Daten nur einbeziehe, wenn der Anfragende dies ausdrücklich wünscht. Allerdings dürften diese Daten ab einer bestimmten Kredithöhe mehr als interessant sein.

Kontakte in sozialen Netzwerken als Wert für den Score *

Man musste kein Prophet sein, um absehen zu können, dass Daten die existieren auch irgendwann einmal umfassend ausgewertet und ausgenutzt werden. Die Daten die Anwender freiwillig in soziale Netzwerke, allen voran Facebook, stellen, ist eine wahre Fundgrube für Datensammler. Kein Wunder, dass jetzt erste Firmen damit beginnen, diesen Schatz auch zu heben. Im Falle der Konstellation Schufa-Facebook handelt es sich zwar im Augenblick „nur“ um ein Forschungsprojekt, aber die Sache zeigt, was uns die Zukunft bringt. Im Projekt wird ermittelt, mit welchen anderen Personen man bei Facebook „befreundet“ ist. Deren Kreditwürdigkeit und Zahlungsmoral fließt dann in den eigenen Score ein. Hat man zu viele Schuldner im digitalen Freundeskreis, fällt der neue Handyvertrag eben flach.

Was uns hier empört, ist mathematisch-statistisch gesehen eine feine Sache. In der Tat ist es so, dass es unwahrscheinlich ist, dass jemand mit begüterten Freunden, die stets brav ihre Rechnungen zahlen, es mit dem Bezahlen von Rechnungen nicht so genau nimmt.

MEIN TIPP: Ich schlage in diesem Zusammenhang vor, dass man den eigenen Basisscore direkt sichtbar im Facebook Profil angeben muss. Damit läuft man nicht Gefahr, sich durch unbedachte Übernahme einer Person in die Freundesliste den eigenen Score zu verderben. 😉

Aussicht *

Man muss kein ausgesprochener Schwarzseher sein um zu erkennen, was langfristig droht. Ein Blick nach Übersee zeigt im Prinzip, was kurzfristig auf uns zukommen könnte. Wehe dem Tag, an dem man im Bewerbungsgespräch das Passwort für den eigenen Facebook Account herausgeben muss. Wenig erbaut dürfte man auch sein, wenn man beim Versuch eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder private Krankenversicherung abzuschließen, plötzlich hohe Risikozuschläge im Vertragsvorschlag findet. Zu viele Beiträge mit Bezug zu Kopfschmerzen, Herzrasen, Schwindel oder Depression gepostet?

 

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